Wissen aus der Textschreiner-Werkstatt
Was kann ich auf LinkedIn posten?

So findest du Ideen aus deinem Arbeitsalltag
Du öffnest LinkedIn und denkst: „Ich müsste mal wieder etwas posten.“
Direkt danach kommen die üblichen Verdächtigen: „Mein Thema interessiert doch keinen.“ „Darüber wurde schon alles geschrieben.“ Oder schlicht: „Mir fällt nichts ein.“
Bevor du jetzt eine Stunde auf den leeren Entwurf starrst, probier eine dieser drei Ideen:
- Beantworte eine Frage, die dir Kunden regelmäßig stellen. Was erklärst du immer wieder?
- Erkläre einen typischen Fehler. Woran erkennt man ihn, und wie lässt er sich vermeiden?
- Zeige eine Entscheidung aus deiner Arbeit. Was empfiehlst du in einer bestimmten Situation – und warum?
Damit hast du schon drei mögliche Beiträge. Du brauchst dafür keine spektakuläre Geschichte. Die Herausforderung liegt oft darin, zu erkennen, was aus deinem ganz normalen Arbeitsalltag für andere hilfreich ist.
Was für dich selbstverständlich ist, kann für andere neu sein
Wenn du dich seit Jahren mit einem Thema beschäftigst, verlierst du leicht den Blick dafür, wie wenig andere darüber wissen. Was du nebenbei erledigst, wirft bei deinen Kunden vielleicht zehn Fragen auf.
Nehmen wir als Beispiel jemanden, der Websites erstellt. „Ich könnte mal etwas über Webdesign posten“ ist noch ziemlich vage. Konkreter wird es mit Fragen wie:
- Was gehört auf eine Startseite?
- Welche Texte muss ich vorbereiten, wenn ich eine Website beauftrage?
- Warum finden Besucher meine Telefonnummer nicht?
- Brauche ich wirklich fünf Unterseiten, oder reichen erst einmal zwei?
Aus jeder Frage lässt sich ein eigener Beitrag machen. Und wenn du darin erklärst, wie du eine solche Situation beurteilst, wird auch deine Kompetenz sichtbar.
Du musst also nicht jedes Mal ein neues Thema erfinden. Schau genauer auf die Fragen, die längst da sind.
Welche Ideen passen zu deinem Business?
Eine Themenliste ist schnell geschrieben. Ob sie dir etwas bringt, hängt davon ab, wen du erreichen möchtest.
Bleiben wir beim Website-Beispiel: Ein Beitrag über technische Feinheiten kann für andere Webdesigner interessant sein. Ein Selbstständiger, der seine erste Website plant, braucht vermutlich erst einmal eine Antwort auf die Frage: „Was muss ich dafür eigentlich alles liefern?“
Beides sind mögliche Inhalte. Sie sprechen aber unterschiedliche Menschen an.
Bevor du eine Idee ausarbeitest, frag dich deshalb:
- Wer soll sich davon angesprochen fühlen?
- In welcher Situation steckt diese Person?
- Was soll sie nach dem Lesen besser verstehen oder entscheiden können?
„Selbstständige“ allein ist dabei noch keine besonders hilfreiche Beschreibung. „Eine Selbstständige, die ihre erste Website beauftragen möchte und den Aufwand nicht einschätzen kann“ gibt dir schon deutlich mehr Stoff.
Je konkreter die Situation, desto leichter wird das Schreiben.
Drei Denkfehler, die dich beim Posten ausbremsen
„Ich muss möglichst viele Menschen erreichen.“
Wenn du Kunden gewinnen möchtest, ist Reichweite allein ein dünner Maßstab. Ein Beitrag kann viel Zustimmung bekommen und trotzdem kaum jemanden erreichen, der dein Angebot braucht.
Umgekehrt kann eine überschaubare Diskussion mit den passenden Menschen für dein Business wertvoll sein. Schau deshalb auch darauf, wer reagiert und welche Gespräche entstehen.
„Ich muss zeigen, wie gut ich bin.“
Das endet schnell in Eigenlob oder Fachchinesisch.
Erkläre lieber, worauf du bei einem Problem achtest, welche Möglichkeiten du abwägst und warum du etwas empfiehlst. So können Leser deine Kompetenz selbst erkennen.
Zum Beispiel: „Ich erstelle nutzerfreundliche Websites“ behauptet erst einmal nur etwas. Ein Beitrag darüber, warum eine versteckte Kontaktmöglichkeit Besucher unnötig suchen lässt, macht deine Arbeitsweise nachvollziehbar.
„Ich brauche erst einmal mehr Follower.“
Ein prima Nährboden für Aufschieberitis.
Du kannst auch mit einem kleinen Netzwerk anfangen, Fragen zu beantworten, Erfahrungen zu teilen und Gespräche anzustoßen. Dabei lernst du, welche Themen deine Leser beschäftigen. Darauf lässt sich aufbauen.
Wähle ein Format, das zu deiner Idee passt
Du musst für LinkedIn keine schriftstellerischen Höchstleistungen vollbringen. Oft reicht eine einfache Struktur, die deinen Gedanken verständlich macht.
| Wenn du … | Probier dieses Format |
|---|---|
| eine häufige Frage beantworten möchtest | Frage → Antwort → konkretes Beispiel |
| einen Fehler erklären möchtest | Fehler → Auswirkung → bessere Vorgehensweise |
| deine Arbeitsweise zeigen möchtest | Ausgangslage → Entscheidung → Begründung |
| eine Erfahrung teilen möchtest | Situation → Erkenntnis → Nutzen für deine Leser |
| dein Angebot vorstellen möchtest | Für wen → bei welchem Problem → wie du hilfst → nächster Schritt |
So könnte ein Beitrag nach dem Muster „Frage → Antwort → Beispiel“ beginnen:
Was muss ich vorbereiten, bevor ich eine Website beauftrage?
Du musst noch keine fertigen Texte haben. Hilfreich ist aber, wenn du drei Fragen beantworten kannst: Wen möchtest du erreichen? Was bietest du diesen Menschen an? Und was sollen sie auf deiner Website tun?
„Ich brauche fünf Unterseiten“ hilft bei der Planung oft weniger als: „Besucher sollen verstehen, ob mein Angebot zu ihnen passt, und ein Erstgespräch buchen können.“
Das ist ein möglicher Einstieg. Ergänze anschließend, was du aus deiner Arbeit dazu sagen kannst.
Bei Kundenfragen, Screenshots und Projektbeispielen gilt natürlich: Veröffentlichung abstimmen oder vertrauliche Informationen konsequent anonymisieren.
Lass die Blechköppe mitdenken
ChatGPT, Claude und andere KI-Assistenten können dir helfen, Fragen zu sammeln, Blickwinkel zu wechseln und einen Entwurf zu sortieren. Brauchbares Ausgangsmaterial lieferst du am besten selbst.

Statt nur „Gib mir zehn LinkedIn-Ideen“ einzugeben, probier zum Beispiel:
„Ich unterstütze [Zielgruppe] bei [Problem]. Diese drei Fragen wurden mir zuletzt gestellt: [Fragen]. Hilf mir, daraus fünf konkrete Beitragsideen zu entwickeln. Frag zuerst nach, wenn dir wichtige Informationen fehlen.“
Such dir anschließend eine Idee aus und ergänze deine Erfahrungen, Beispiele und Haltung. Prüfe die Aussagen und lies den Entwurf laut: Würdest du das so sagen?
Sonst hast du hinterher zwar einen fertigen Beitrag, aber womöglich einen, der nach jedem klingen könnte.
Mach aus deinen Ideen einen kleinen Vorrat
Die tägliche Frage „Was poste ich heute?“ setzt dich jedes Mal wieder unter Druck. Eine einfache Ideensammlung nimmt davon einiges raus.

Notiere dir nach Gesprächen oder während der Arbeit kurz:
- Welche Frage kam auf?
- Was musste ich genauer erklären?
- Worüber gab es ein Missverständnis?
- Welche Entscheidung war knifflig?
Ein Stichpunkt reicht. Du musst daraus nicht sofort einen Beitrag machen.
Wenn du später schreiben möchtest, wählst du eine dieser Situationen aus und nimmst eine passende Struktur dazu. So sammelst du Ideen genau dann, wenn sie entstehen.
Gib Interessierten auf deinem Profil Orientierung
Wenn ein Beitrag neugierig macht, schauen sich manche Leser dein Profil an. Dort sollten sie schnell erkennen können, ob sie bei dir richtig sind.
Wird deutlich, wem du wobei hilfst? Finden sie etwas über deine Arbeitsweise? Gibt es einen nachvollziehbaren nächsten Schritt?
Ein aussagekräftiger Profilslogan, ein verständlicher Infotext und passende Inhalte im Bereich „Im Fokus“ können dabei helfen. Dein Beitrag weckt Interesse; auf deinem Profil können die Menschen mehr erfahren.
Was tun, wenn kaum jemand reagiert?
Wenig Resonanz ist frustrierend. Und ja: Manche Menschen lesen, ohne zu liken oder zu kommentieren. Das sollte allerdings keine Dauererklärung dafür werden, dass deine Beiträge nichts bewirken.
Schau zunächst auf dein Ziel. Möchtest du beispielsweise passende Kontakte und Anfragen gewinnen, sind diese Fragen hilfreich:
- Entstehen Gespräche mit Menschen aus deiner Zielgruppe?
- Bekommst du konkrete Rückfragen?
- Beziehen sich Kontakte oder Interessenten auf deine Inhalte?
- Wird verständlicher, wofür man dich ansprechen kann?
Prüfe außerdem den Beitrag selbst: Ist die Situation konkret? Wird im Einstieg klar, warum sich das Weiterlesen lohnt? Gibt es einen Gedanken, den deine Leser mitnehmen können?
Wenn über längere Zeit weder passende Reaktionen noch Gespräche entstehen, lohnt es sich, Themen, Ansprache und Angebot zu überprüfen. Mehr vom Gleichen zu posten löst das Problem nicht automatisch.
Und beteilige dich selbst an Gesprächen. Wer hilfreiche Kommentare unter anderen Beiträgen schreibt, schafft ebenfalls Anlässe für einen Austausch.
Dein nächster Beitrag muss nicht alles können
Nimm dir eine Kundenfrage vor. Beantworte sie verständlich, ergänze ein Beispiel und lass alles weg, was für diese Antwort nicht nötig ist.
Damit hast du eine überschaubare Aufgabe und einen konkreten Anfang.